fri Lüneburg. Dass die Lüchow-Dannenberger Feuerwehren auch auf schwierige Einsätze gut vorbereitet sind, bewies die Kreisfeuerwehrbereitschaft II bei einer Übung in Lüneburg. Die Spezialisten für Einsätze zum Schutz der Umwelt bewältigten die gestellten Aufgaben nahezu fehlerlos, obwohl diese durchaus ihre Tücken hatten. Nachdem die Lüchow-Dannenberger Bereitschaft im Vorjahr für die Kameradinnen und Kameraden aus dem Nachbarkreis eine Übung organisiert hatte, waren die Rollen nun anders verteilt. Dieses Mal ließen rund 60 wendländische Blauröcke ihre Kenntnisse und Fähigkeiten überprüfen. Sie wurden dabei von einem Trupp des Deutschen Roten Kreuzes aus Dannenberg unterstützt.

Die Lüneburger hatten zwei Übungsszenarien vorbereitet. So traten in einer Bardowicker Biogasanlage flüchtige Stoffe aus, die bei mehreren Personen die Atemwege verletzten. Betroffene mussten von den Einsatzkräften in Schutzkleidung aus dem Gefahrenbereich geholt und versorgt, das Gelände weiträumig abgesperrt und gesichert werden. Der größere „Zwischenfall“ ereignete sich durch menschliches Versagen in Scharnebeck. Eine Kraftfahrerin belud ihren Tankanhänger für Altöl versehentlich mit Salzsäure aus einem falschen Behälter. Der Tank wurde immer heißer, aber die nur spanisch sprechende Fahrzeuglenkerin konnte den eintreffenden Feuerwehrkräften keine Auskunft geben. Im Gegenteil, die Seniorita suchte genervt das Weite. Die Mess- und Spürspezialisten waren sich trotzdem bald darüber klar, dass die Gefahr nicht in der Vermischung von Altöl und Salzsäure bestand, sondern der Aluminiumtank auf die Säure reagierte. Keine theoretische Gefahr, die Übungslage basierte auf einem echten Gefahrgutunfall im Raum Lüneburg.

Zu den für den Einsatz Verantwortlichen gehörte die Dannenbergerin Franziska Schön. Als stellvertretende Zugführerin sorgte sie dafür, dass bei den Atemschutzgeräteträgern alles in geordneten Bahnen lief. Für die von einer Kommunalpolitikerin unlängst vom Zaun gebrochene Diskussion über eine Frauenbeauftragte für die Feuerwehren in Lüchow- Dannenberg hat die junge Frau, wie die meisten anderen weiblichen Blauröcke, keinerlei Verständnis: „Diese Forderung ist völlig überflüssig, denn die Zeit ist in den letzten Jahrzehnten nicht stehen geblieben. Wir sind heute in der Feuerwehr gut eingebunden und in der Lage, unsere Probleme selbst zu regeln. Dafür brauchen wir keine Zwischeninstanz.“ Diese Meinung vertritt auch Janine Siebrecht aus Lüneburg: „Bei uns im Landkreis gibt es auch keine Frauenbeauftragte, denn wir sehen dafür keine Notwendigkeit. Wir sind alle erwachsen und können durchaus für uns selbst sprechen.“ Augenzwinkernd meint dazu ein Feuerwehrmann: „ Wir hören ja auch auf die Frauen. Unser Navi im Einsatzleitwagen hat sogar eine weibliche Stimme und führt uns problemlos zu jedem Schuhladen…“ Die gut vorbereiteten Gefahrenlagen wurden durch die Einsatzkräfte mit dem notwendigen Ernst und routiniert abgearbeitet. Der Gefahrgutzug verhinderte die weiter Erhitzung und den unkontrollierten Austritt von Flüssigkeit aus dem Tankanhänger und pumpte ihn leer. Damit war die Situation bewältigt, alles andere blieb Spezialfirmen vorbehalten.

Sowohl die Lüneburger Organisatoren wie auch der Führer der Kreisbereitschaft II, Stefan Schmidt, waren mit den gezeigten Leistungen zufrieden. „Die wenigen festgestellten kleinen Fehler werden besprochen und abgestellt“, erläutert Schmidt, “Übungen sind schließlich dazu da, Mängel zu erkennen dazu zu lernen.“ Die Zusammenarbeit mit der benachbarten Kreisfeuerwehrbereitschaft verlief nach seinen Angaben in kameradschaftlicher Form und so unbürokratisch, wie es sich Schmidt manchmal mit den für die Gefahrenabwehr Verantwortlichen im eigenen Landkreis erhofft.

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Abtransport von Verletzten aus dem Gefahrenbereich der Biogasanlage (Foto: Sven Lehmann)
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Dekontamination eines „ohnmächtig“ gewordenen Kameraden (Foto: Johann Fritsch)
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Mehr als 25 Jahre technische Entwicklung liegen zwischen dem Lüchow-Dannenberger (rechts)
und dem Lüneburger Einsatzleitwagen (Foto: Johann Fritsch)
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„Wir Frauen können unsere Angelegenheiten selbst regeln“ meint Franziska Schön (Foto: Johann Fritsch)
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Schutz eines Tankwaggons mit Schaum (Foto: Johann Fritsch)